Ein giftiger Neophyt
Die Zehner-Regel ist eine bekannte Faustregel: 10 Prozent der eingeführten oder eingeschleppten Arten können sich kurz- bis mittelfristig halten, 10 Prozent von ihnen können sich dauerhaft in naturnahen Lebensräumen etablieren und wieder 10 Prozent von diesen «eingebürgerten» Arten haben unerwünschte Auswirkungen und gelten als invasiv. Von 1000 eingeführten Arten wird also eine Art zum Problemfall. Über 790 sind es derzeit in der Schweiz.
Die Geissraute (Galega officinalis) steht auf der Liste der invasiven Arten, die nachweislich Schäden in der Umwelt verursachen. Trotzdem ist der Handel wie bei anderen zu bekämpfenden Arten nicht verboten.
HERKUNFT
Die Geissraute stammt ursprünglich aus Westasien und Nordafrika und hat sich dank ihrer Anpas- sungsfähigkeit auf fast allen Kontinenten ausbreiten können. Eingeführt wurde sie als Zier- und Heilpflanze, sowie als Gründüngung. Sie wächst auf nährstoffarmen Böden und verbessert die Nährstoffverfügbarkeit, indem sie dank einer Symbiose mit Knöllchenbakterien Luftstickstoff fixiert. In der Schweiz tritt sie vor allem im Mittelland auf.
AUSBREITUNG
Das grosse Ausbreitungspotenzial verdankt die Geissraute ihrer Fortpflanzungsfähigkeit (Ausläufer und Samen) sowie dem Fehlen von Schädlingen oder Krankheiten. Eine Pflanze kann bis zu 120‘000 Samen entwickeln. Sind die Samen in einer intakten Hülse, können sie sich über Wasserläufe verbreiten. Die Samen sind mehrere Jahre lebensfähig. Die verholzten, unterirdischen Triebe bilden im nächsten Jahr wieder neue oberirdische Triebe. Bereits kleine Stängelstücke können zu neuen Pflanzen heranwachsen.

UMWELTPROBLEME
Die Geissraute bildet im Grünland dichte Bestände und sorgt für eine Abnahme der Artenvielfalt. Sie besiedelt Flächen entlang von Fliessgewässern und gestörten Feuchtstandorten. In extensiven Wiesen und Weiden wird sie für das Vieh problematisch, da sämtliche Pflanzenteile für das Vieh hochgiftig sind. Heu oder Silage mit einem Anteil von 10 Prozent kann bei Rindern, Pferden und Schafen bereits kurz nach der Aufnahme zum Tod durch Ersticken führen.
AUSBREITUNG STOPPEN
Die Bekämpfung oder Eindämmung gestaltet sich schwierig. Eine wirksame Massnahme ist noch nicht entwickelt. Das Forschungsinstitut Agrocscope forscht an einem Bioherbizid. Gegenwärtig sind für kleinere Flächen das mechanische Ausrotten durch Ausreissen oder bei grösseren Beständen die Mahd die einzigen Mittel zur Bekämpfung.
Titelbild: ©vodolej




