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Eindrücke aus meinem Schnabel

03.07.2025Artenförderung


Auch in diesem Jahr wird das Förderprojekt für den Kiebitz im Nuoler Ried und im Frauenwinkel fortgeführt, um der bedrohten Art bei der Brut zu helfen. In unserer Kulturlandschaft sind ihre Gelege von diversen Seiten bedroht. Viele kleine und grössere Hilfestellungen sind nötig, um dem Kiebitz hier trotz allem ein sicheres Heim zu bieten. Doch was denken die Kiebitze eigentlich über unsere Bemühungen?


Schon im Februar waren die ersten von uns im Nuoler Ried anzutreffen. Viele machen hier nur eine kurze Pause auf dem Weg nach Norden. Aber ein paar bleiben. So wie ich. Ich habe mich bald an meine spektakulären Balzflüge gemacht – hoch hinaus, dann im Sturzflug runter, mit meinem besten «Kiiwitt – Kiiwitt» aus dem Schnabel. Bald hatte ich eine Partnerin überzeugt. Dann hiess es: Mulden drehen. Ich habe mehrere Nester vorbereitet – kleine Erdmulden, gepolstert mit Gras. Sie hat sich für ein Nest entschieden und ihre Eier dort abgelegt.

Die Zweibeiner mit dem Fernrohr

Jetzt kommen sie ins Spiel – die Menschen. Sie stehen auf ihrem «Kiebitzmobil», schauen mit ihrem Feldstecher und Fernrohr über die Felder und versuchen, unsere Nester zu finden. Gar nicht so einfach, wenn man so gut getarnt ist wie wir! Aber meistens schaffen sie es trotzdem. Eine Person bleibt auf dem Dach des Fahrzeugs, die andere läuft über das Feld, um die Nester aufzuspüren und zu markieren.

Eierräuber am Boden…

Besonders zu schaffen machen uns die hungrigen Füchse. Ich versteh das ja – auch ein Fuchs muss fressen. Aber unsere Eier? Das muss nicht sein. Die Menschen haben daher Zäune aufgestellt. Leider sind Füchse gute Springer und haben trotzdem mehrere unserer Nester ausgenommen. Jetzt haben die Kiebitzschützer die Zäune erhöht. Ob’s hilft? Ich hoffe es.

… und aus der Luft

Und dann sind da noch die Krähen. Laut, frech und ziemlich schlau. Die Zäune helfen da natürlich auch nichts. Gegen einzelne dieser Räuber können wir uns gut wehren; bei ganzen Schwärmen bekommen wir mit den installierten «Krähenschrecken» technische Hilfe der Menschen. Sobald diese Geräte ein Krächzen der Krähen hören, vertreiben sie diese mit Warnrufen in Krähensprache. Wir lassen uns davon nicht stören.


Zäune und «Krähenschrecke» halten Räuber wie Füchse und Krähen fern.
Unordnung erwünscht

Wir Kiebitze mögen es offen. Zu viel hohes Gras? Da sehen wir keine Feinde kommen. Wenn die Felder schön lückig sind, dann finden wir sehr viele Käfer und Würmer im Boden. Die Bauern helfen uns dabei, indem sie einige Felder pflügen und sie brach liegen lassen. Für sie sieht das vielleicht unordentlich aus, für uns ist es ein Paradies.

Wasser für Würmer

Bereits vor langer Zeit haben die Menschen damit begonnen, das Nuoler Ried zu entwässern, wodurch das Land bewirtschaftet werden kann. Doch der trockene und harte Boden macht uns zu schaffen. Deshalb pumpen die Menschen Wasser aus den Entwässerungsgräben auf die brachliegenden Felder. Bei diesen sumpfigen Tümpeln finden auch die Kleinsten ihre tägliche Ration an Würmern und Insekten.

Vier Augen sehen mehr als zwei

Viele «unserer» Wiesen werden auch von den Menschen genutzt. Leider können die Bauern unsere Jungen aufgrund ihrer Grösse und Tarnung kaum sehen. Doch ich habe mitbekommen, dass die Bauern im Nuoler Ried eng mit den Naturschützern zusammenarbeiten. Bevor sie mähen oder düngen, melden sie sich. Die Küken sind zwar schnell selbstständig, aber wenn so ein Traktor anrollt, ducken sie sich nur auf den Boden. Dann springen die Menschen ein, decken Nester ab, sammeln unsere Kleinen vorsichtig ein und bringen sie erst zurück, wenn keine Gefahr mehr besteht.


Markierte Nester können bei landwirtschaftlichen Einsätzen gezielt umfahren werden – so bleiben die Kiebitzeier verschont.
Viel Aufwand – Grosser Erfolg

Dank diesen Massnahmen sind wir im Nuoler Ried eine der grössten Kiebitzkolonien der Schweiz. Das alles ist nur durch den tatkräftigen Einsatz der Stiftung Frauenwinkel, die Rücksichtname der Landwirte und die vielen Freiwilligen möglich. Ich hoffe, dass auch in diesem Jahr viele Nachkommen flügge werden und unseren Bestand sichern.

Autor:in

Roman Villiger

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