
8. Juli 1939 – 13. Oktober 2023
Der gebürtige Tuggner und dreifache Familienvater Herbert Gunz engagierte sich in verschiedenen Tuggner Vereinen stark bis über das Pensionsalter hinaus. Er war ein engagiertes, selbstloses und prägendes Mitglied – der im Rückblick breite und tiefe Spuren hinterlässt
An dieser Stelle blicken wir anerkennungsvoll auf das Wirken von Herbert Gunz vor allem in Sachen Natur und Umwelt in seinem Wohnort Tuggen zurück.
SEIT 1964 WIEDER IN TUGGEN
Herbert Gunz wuchs in Tuggen auf, absolvierte seine Lehre als Elektrozeichner dann im Glarnerland. Nach der Lehre und ein paar Jahren im Welschland kehrte er im Jahre 1964 mit seiner künftigen Frau Beatrice nach Tuggen zurück. Acht Jahre später zog die, inzwischen auf fünf Personen angewachsene, Familie in ihr eigenes Haus an der Speerstrasse. In seinem grossen Biogarten gab es nebst Raum für Igel, Tagfalter, Amphibien und Libellen auch viel Salat und Gemüse. Gerne erinnere ich mich, wie Herbert ganz unverhofft und unangemeldet an der Bürotüre klingelte. In den Händen hatte er einen Korb – gefüllt mit Produkten aus seinem Garten. Manchmal brachte er auch Blumen aus der Naturschutzecke in seinem Garten mit. Seine gelben und blauen Schwertlilien am Rand unseres Weihers werden uns auch künftig mit ihrer Farbenpracht an Herbert erinnern!
GRÜNDUNGSPRÄSIDENT VON PRO TUGGEN
Nebst seinen Vorlieben für Fussball und Musik war Herbert sehr interessiert an der Natur mit ihrer Artenvielfalt. Er machte sich grosse Sorgen, wie in seiner Gemeinde Hecken verschwanden und einmalige Naturschutzgebiete – wie man sie in weitem Umkreis vergebens suchte – mangels Pflege verbuschten und verwilderten. Das Fass zum Überlaufen brachte die unerlaubte Aufschüttung im Naturschutzgebiet «Rüschenzopf» (der Rest ist heute ein Flachmoor von nationaler Bedeutung). Diese Untat ist heute noch westlich der Linthbordkapelle zu erkennen. Zusammen mit Gleichgesinnten gründete Herbert Gunz am 11. Januar 1985 den heute noch aktiven Verein
«Pro Tuggen». An der Gründungsversammlung wurde Herbert Gunz zum ersten Präsidenten gewählt. Er leitete die Geschicke des Vereins während 26 Jahren und durfte seinem Nachfolger einen lebendigen Verein mit engagierten Mitgliedern übergeben.
Die ökologisch sehr wertvollen Waldmoore «Ammesmoos» und «Schrötermoos» wurden in unzähligen Arbeitsstunden von Pro Tuggen, teils auch mit maschineller Unterstützung vor dem endgültigen Untergang gerettet. Es folgten Projekte wie der «Schlosswaldweiher» und die Wildbach-Brücke bei der ARA. Tausende von Spaziergängern haben diese Brücke seither genutzt und geschätzt – die so entstandenen Rundwege sind zusammen mit den Rundwegen im Buchberg eine echte Bereicherung für die Gemeinde und erhöhen die Lebensqualität für die Bevölkerung in Tuggen.
DER ALTE LINTHLAUF «HEULI» – EIN HERZENSANLIEGEN
In der Gemeinde Tuggen existieren noch alte Linthläufe aus der Zeit vor Konrad Escher von der Linth: Das «Heuli», der «Klettengraben», das «Danieli Nord» und das «Danieli Süd» – alle zusammen rechtskräftig ausgeschiedene Naturschutzgebiete. Er musste miterleben wie sie teilweise aufgefüllt wurden und der Verlandungsprozess die einst offenen Wasserflächen ganz verschwinden liess. Übrig blieben Gehölze, die nur noch bei intensiven Niederschlägen für ein paar wenige Tage ein bisschen Wasser hatten.
Ein grosses Revitalisierungsprojekt im «Heuli» auf einer Länge von 330 Metern war auch für einen aktiven Verein wie Pro Tuggen zu viel. Herbert Gunz zog den WWF Schwyz zur Unterstützung bei und so gelang das Projekt gemeinsam. Als der damalige Regierungsrat Andreas Barraud anlässlich der Eröffnung den Dank der Regierung überbrachte, rief er auch zu Fortsetzungsprojekten auf – der Handlungsbedarf lag bekanntlich damals und heute noch auf der Hand! Doch dieser Wunsch war sowohl für den WWF-Schwyz als auch für Pro Tuggen eine Nummer zu gross. So kam es zur Gründung der Stiftung Lebensraum Linthebene, welche nun grössere Projekte ausführt. Herbert, Du hast Grossartiges vollbracht, meine Hochachtung, Dank und Wertschätzung!




