Quellen zeichnen sich durch ihre hohe Biodiversität aus, wobei sich viele Arten auf diesen Lebensraum spezialisiert haben. Gleichzeitig erlitten diese Lebensräume in den letzten 200 Jahren einen überdurchschnittlich starken Rückgang. Ein schweizweites Pilotprojekt möchte dem entgegensteuern.
Als Quellen bezeichnet man kleinräumige Lebensräume zwischen Grundwasseraustritt und Bachoberlauf. Räumlich betrachtet zählen ungefähr die ersten 10 m des Quellbachs wie auch die angrenzende, feuchte Umgebung zur Quelle. Quellen sind in naturnahem Zustand nicht nur optisch faszinierend, sie beherbergen auch einzigartige Tiere und Pflanzen.
Hochspezialisierte Arten
Quellwasser ist Grundwasser. Es ist somit kühl und hat über das ganze Jahr eine relativ konstante Temperatur. Zudem sorgt das Grundwasser für die nährstoffarmen und sauerstoffreichen Bedingungen des Quellwassers. Unter diesen Umweltbedingungen haben sich in Quellen sehr spezialisierte Lebensgemeinschaften entwickelt. Wirbellose wie Libellen, Steinfliegen oder Wasserkäfer, deren Larven sich im Wasser entwickeln, zählen zu den typischen Quellbewohnern.
Unter den Wirbeltieren sind einzig die Larven des Feuersalamanders regelmässig an Quellen anzutreffen. Die Zahl der quellspezialisierten Tiere und Pflanzen in der Schweiz beträgt rund 100 Arten. Es werden laufend neue Arten entdeckt, doch die Zahl an quelltypischen Arten auf der Roten Liste ist gross.

Die gestreifte Quelljungfer (Cordulegaster bidentata) ist stark an naturnahe Quell-Lebensräume gebunden und deren Larven für die Entwicklung auf das Wasser angewiesen. Die Art ist in der Schweiz zum Glück (noch) nicht gefährdet. Bild: Adobe, Yurii Zushchyk
Quellen stehen unter Druck
Gemäss Bundesamt für Umwelt gibt es im Mittelland kaum einen anderen Lebensraumtyp, welcher in den letzten 200 Jahren einen so grossen Rückgang erlitten hat wie die Quell-Lebensräume. Im Mittelland sind nur noch 1.2 % aller Quellen in einem mehr oder weniger naturnahen Zustand, davon die meisten im Wald oder in höheren Lagen. Viele Quellen wurden gefasst und dienen heutzutage der Trinkwasserversorgung. Auch im Zusammenhang mit der Drainage von landwirtschaftlich genutzten Flächen oder dem Ausbau der Verkehrsflächen mussten viele Quellen weichen. Konkret wurden sie in grosser Anzahl verrohrt, verlegt oder deren Sohle und Ufer verbaut. Durch die Abnahme der Anzahl wie auch Qualität an Quell-Lebensräumen wird die Ausbreitung der Flora und Fauna auf weitere Quellen erschwert.
Schutz und Revitalisierung im Fokus
Die Bedeutung von Quellen als Lebensraum rückte in den letzten Jahren stark in den Vordergrund, denn im Zeichen der Klimaerwärmung stellen sie wichtige Rückzugsgebiete für Arten kühler Kleingewässer dar. Aktuell läuft ein Pilotprojekt des Aktionsplans Strategie Biodiversität Schweiz, in welchem Quellen erfasst, bewertet und aufgewertet werden. 2022 wurden bereits in 12 Kantonen Quell-Lebensräume erhoben. Im Fokus stehen dabei sowohl der Schutz von noch naturnahen als auch die Revitalisierung von beeinträchtigten Quellen. Ist der Verbau beispielsweise mit keiner aktuellen Nutzung mehr verbunden, so lässt sich mit geringen Kosten wieder einzigartiger Lebensraum für unsere Quellbewohner herstellen.




