Die Stiftung Lebensraum Linthebene zählte für diverse Naturschutzprojekte jahrelang auf die Arbeitskraft von Zivildienstleistenden. Ob dies in naher Zukunft noch möglich ist, ist leider unklar.
Die Einsatzmöglichkeiten von Zivildienstleistenden – kurz Zivis – sind vielfältig. Sie leisten beispielsweise wertvolle Arbeit auf Landwirtschaftsbetrieben oder im sozialen Bereich in Altenheimen, Krankenhäusern, Schulen, für Menschen mit Beeinträchtigung oder in der Entwicklungszusammenarbeit. Aber auch in der Kulturgütererhaltung und im Naturschutz sind Zivis kaum mehr wegzudenken. Mit ihrem Engagement unterstützen Zivildienstleistende insbesondere Einsatzbereiche, die mit begrenzten Ressourcen zu kämpfen haben.
Schwächung des Zivildienstes
Aktuell ist jedoch unklar, ob die Zahl an Zivildienstleistenden zukünftig stabil bleiben wird, denn in der vergangenen Sommersession beriet das Parlament über die Revision des Zivildienstgesetzes. Anlass zur umstrittenen Diskussion ist die unsichere geopolitische Lage und das Bedürfnis, den Personalbestand der Armee zu stabilisieren oder auszubauen. Gemäss Verteidigungsdepartement VBS kann die Armee in den nächsten Jahren keine ausreichende personelle Alimentierung sicherstellen. Offizielle Zahlen des VBS stützen diese Behauptung jedoch nicht: Die Zahl an Soldaten übersteigt aktuell mit knapp 147’000 Mitgliedern sogar die rechtlich festgelegte Zahl von maximal 140’000 Personen.
Im Juni 2025 hat der Nationalrat wie auch der Ständerat einer Motion zugestimmt, welche den Zivildienst mit dem Zivilschutz zusammenführen will. Ebenfalls in der Sommersession wurde ein Postulat eingereicht, welches den Bundesrat zur Wiedereinführung der Gewissensprüfung beauftragen möchte. Dienstpflichtige sollen zukünftig also glaubhaft darlegen, dass der Militärdienst nicht mit ihrem Gewissen vereinbar sei. Das Ziel der Neuerungen scheint klar: Der Zivildienst soll zugunsten der Armee und des Zivilschutzes geschwächt werden. Doch sind die geplanten Schritte eine sinnvolle Antwort auf die aktuellen Gegebenheiten? Und wird die Schwächung wichtiger sozialer, medizinischer und ökologischer Dienstleistungen einfach in Kauf genommen?
Weitreichende Folgen für Einsatzbetriebe
Diverse Einsatzbetriebe sehen sich je nach politischem Ausgang in ihrer Existenz bedroht – so auch der anerkannte Zivildienstbetrieb der Stiftung Lebensraum Linthebene, welcher seit dem Jahr 2014 existiert. Bereits jetzt ist eine angespannte Personalsituation spürbar. Gemäss Bundesamt für Zivildienst nimmt das Interesse von Zivildienstleistenden im Bereich Naturschutz ab und die Alternativen im sozialen Bereich sind verlockend. Das merkt auch Christian Lüscher, Leiter des Einsatzbetriebs: «Die Schnelllebigkeit der Gesellschaft hat das Thema Biodiversität verblassen lassen».
Würde der Zivildienst zusätzlich geschwächt, hätte dies grosse Auswirkungen für diverse Projekte im Bereich Naturschutz. Die Zivis der Stiftung Lebensraum Linthebene sind beispielsweise massgeblich an der Neophytenbekämpfung in diversen Gemeinden beteiligt. Ohne ihren Einsatz könnten die Kosten für diese Arbeiten deutlich ansteigen. Auch die Artenförderprojekte und Pflegearbeiten in Naturschutzgebieten wie dem Frauenwinkel würden leiden. Der Einsatzbetrieb der Stiftung Lebensraum Linthebene sieht sich gezwungen, nach Alternativen zu suchen.
Die Hoffnung bleibt
Es bleibt zu hoffen, dass der grosse Wert des Zivildienstes in der Politik berücksichtigt wird und dass die Einsatzbereiche von Zivis weiter bestehend dürfen – denn zurzeit ist unsere Gesellschaft mehr denn je auf zivildienstliches Engagement angewiesen.




