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Wiedervernässung -Hochmoorregeneration in Rothenthurm

09.01.2025Naturschutz


Trotz starkem gesetzlichem Schutz trocknet das Hochmoor Rothenthurm weiter aus und verliert so zunehmend seinen Moorcharakter. Ein gross angelegtes Regenerationsprojekt von Pro Natura möchte diese Degradation durch das Zurückhalten des Wassers mittels Holzsperren stoppen. 


Mit ihren 1100 Hektaren zählt die Moorlandschaft Rothenthurm zu den grössten der Schweiz und beherbergt Biotope von nationaler Bedeutung. Sie steht im Zusammenhang mit der Rothenthurminitiative für die Anfänge des Schweizer Moorschutzes und ist somit vielen ein Begriff. Auslöser für die Initiative war damals in den 1970er Jahren ein vom Bund geplanter Waffenplatz in der Moorlandschaft, welcher durch die Annahme der Initiative im Jahr 1987 verhindert werden konnte. Seither ist der Schutz der Moore direkt in der Bundesverfassung verankert. 

Einzigartiger Lebensraum


Die Moorlandschaft Rothenthurm zeichnet sich durch eine Vielfalt unterschiedlicher Moortypen aus. Hochmoore entwickeln sich auf wasserundurchlässigen Böden und bei regenreichem Klima, wobei sie nur von nährstoffarmem Regenwasser gespiesen werden. Wichtiger Bestandteil sind die Torfmoose, welche durch ihr fortwährendes Absterben am unteren Ende für das Wachsen der Torfschicht verantwortlich sind. Die nassen und nährstoffarmen Bedingungen sind die Voraussetzung für das Vorkommen hochspezialisierter Arten, wie beispielsweise dem geschützten Rundblätterigen Sonnentau. 

Grosser Rückgang und zunehmende Austrocknung


Leider stehen Hochmoore in der Schweiz stark unter Druck. Ab dem 18. Jahrhundert, als die Schweiz weitgehend entwaldet war, entdeckte man Torf als Brennstoff. Um diesen sowie auch vermehrt Ackerland zu gewinnen, wurden die Hochmoore grossflächig entwässert. Besonders während den Weltkriegen kam dem industrialisierten Torfabbau dann eine grosse Bedeutung zu. Als Folge davon sind heute 90 % der Hochmoore in der Schweiz verschwunden. Trotz gutem gesetzlichem Schutz seit der Annahme der Rothenthurm-Initiative 1987 verschlechterte sich der Zustand des Hochmoors in Rothenthurm weiter, denn die Austrocknung und damit verbundene Verbuschung wurde damit nicht gestoppt. Seither gingen weitere 10 % der Hochmoorfläche verloren. Eindrücklich sind auch die durchgeführten Messungen zum Torfabbau in Wolfschachen, welche einen Verlust von mehr als 1 cm Torfschicht pro Jahr zeigen. Bastien Amez-Droz von Pro Natura verdeutlicht mit diesen Zahlen, dass der fortschreitenden Degradation des Hochmoors in Rothenthurm nur mit aktivem Handeln entgegengewirkt werden kann. Genau hier setzt das gross angelegte Regenerationsprojekt von Pro Natura an. 


Im Oktober 2023 wurde die zweite Etappe mit der Errichtung einer ersten Holzsperre gestartet. Mittels Bagger wurde diese in die Torfschicht gerammt. Bild: Bastien Amez-Droz
Holzspundwände halten das Wasser zurück


Bereits in den Jahren 2008 – 2014 startete in der Moorlandschaft Rothenthurm eine erste Etappe an Regenerationsarbeiten. In einer zweiten Etappe ab Herbst 2023 wurden die Arbeiten dann mit Fokus auf die Gebiete «Im äusseren Bann» und «Wolfschachen» fortgeführt. An oberster Stelle steht die Wiederherstellung einer günstigen Hydrologie für die Torfbildung. Dazu werden grossflächig Holzspundwände in den Boden gesetzt, welche das Wasser zurückhalten und somit der entwässernden Wirkung diverser Gräben entgegenhalten. Mit der Wiedervernässung können zudem der Torfabbau gestoppt, die Erosion verringert und bedrohte, auf Hochmoore angewiesene Tier- und Pflanzenarten gefördert werden. Als weiteres Ziel soll die Streumahd auf einem Grossteil der Fläche fortgeführt werden können.


Ein Jahr später im Oktober 2024 wurden weitere Sperren errichtet. Wenige Tage nach dem Eingriff waren die Spundwände bereits nicht mehr sichtbar, dafür die neuen, offenen Wasserflächen.
Regenerationsarbeiten im Gange


Zu Beginn der zweiten Etappe im Oktober 2023 wurde in Wolfschachen eine erste Sperre erstellt. Die 2.5 m hohen Holzspundwände aus regionalem Fichtenholz wurden mittels Bagger in die Torfschicht, bis hin zum mineralischen Untergrund, gerammt. Anschliessend wurde die Sperre mit Torf und Vegetation bedeckt, um sie vor dem Zersetzen zu schützen. Ein Jahr später, im Oktober 2024 errichtete man weitere Sperren. Um die erstellten Holzsperren zu bedecken und einen Teil des geschwundenen Torfkörpers zu ersetzen, wurde zusätzlicher Torf benötigt. Dieser konnte im vergangenen Sommer direkt von einem Aushub einer Baustelle in Willerzell bezogen und eingebaut werden. Anstatt bei dessen Verbrennung 370 Tonnen CO2 freizusetzen, konnte der Kohlenstoff so wieder langfristig gespeichert werden. Neben den Holzsperren kommt auch eine speziell für das Projekt entwickelte Metallkonstruktion zum Einsatz, mittels welcher das Wasser diffus und ohne Erosionsgefahr in die poröse Vegetationsschicht tieferer Lagen fliessen kann.

Sichtbare Erfolge


Die Auswirkungen der Regenerationsmassnahmen in Wolfschachen aus dem Herbst 2023 sind bereits nach einem Jahr sichtbar (siehe Titelbild). Mehrere Grundwassermessungen zeigen, dass die erste Sperre von Oktober 2023 eine deutliche Retentionswirkung aufweist – also das Wasser vermehrt zurückhält. Durch diese erste Sperre werden 95’000 Liter Wasser zurückgehalten, was massgeblich zum Hochwasserschutz beiträgt. Optisch hebt sich der wiedervernässte Bereich mit den strahlend grünen Torfmoosen deutlich von der Umgebung ab. Ausserdem konnten typische Hochmoorlibellen wie die kleine Moosjungfer gesichtet werden – und zwar nur auf den regenerierten Flächen. Die zweite Etappe der Bauarbeiten wird voraussichtlich noch bis 2026 andauern. Bis dahin sollen in Wolfschachen insgesamt 18 Sperren eingebaut sein. Ausgehend von der wiedervernässten Fläche wird sich das Hochmoor dann weiterentwickeln und den Trend der Degradation langsam umkehren.


Das strahlende Grün verschiedenster Torfmoosarten zeugt von der schnellen Wirksamkeit der Regenerationsmassnahmen.

Autor:in

Eliane Hirt

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