a

Vielfalt im Siedlungsraum. Vom eintönigen Rasen zur biodiversen Grünfläche

16.07.2026Ökologische Aufwertung


Die kaum genutzte Grünfläche auf dem Areal des Tennisclubs Tuggen wurde diesen Frühling zugunsten der Biodiversität umgestaltet. Das ökologische Aufwertungsprojekt dient hinsichtlich seiner Grösse und Vielfältigkeit als Pilotprojekt für das Siedlungsgebiet Tuggen und liefert Inspiration zum Nachahmen.

Die Natur erhält in vielen Dörfern und Städten immer öfters Einzug ins Siedlungsgebiet. Damit entsteht wertvoller Lebensraum für die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten, welche im Siedlungsgebiet vorkommen. Gleichzeitig profitiert auch die Bevölkerung in Form einer optisch attraktiven, interessanten und insbesondere im Sommer kühlenden Umgebung im Siedlungsraum.

Potenzial erkannt und genutzt

Der Tennisclub Tuggen kommt als Pächter in den Genuss einer rund 600 m2 grossen Rasenfläche, welche als Hausumschwung des kleinen Clubhauses keinen speziellen Nutzen aufwies. Dennoch musste die Fläche in regelmässigen Abständen gemäht werden, was zeit- und kostenintensiv war. Vor diesem Hintergrund rief der Tennisclub Tuggen ein Aufwertungsprojekt ins Leben, deren konkrete Ausarbeitung durch die Stiftung Lebensraum Linthebene erfolgte. Mit den Aufwertungsmassnahmen entsteht in Tuggen ein neues Trittsteinbiotop, welches vielfältige Naturelemente miteinander verbindet.

Die Bauarbeiten starteten diesen Frühling mit dem Abtrag der Grasnarbe.
Die aufgeschichtete Sandlinse dient zahlreichen Wildbienenarten als Nistplatz.
Artenreiche Wildhecke

Als Abgrenzung zur Linthstrasse wurde eine Wildhecke mit einheimischen Arten unterschiedlicher Blühzeitpunkte und mit einem hohen Anteil an dornentragenden Arten gepflanzt. Die Vielfalt der gewählten Sträucher ist gross und beinhaltet 13 verschiedene Arten – darunter beispielsweise Weissdorn, roter Holunder, Pfaffenhütchen und Hundsrose. Damit dürfte es nicht lange dauern, bis typische Vögel des Siedlungsgebiets von den sich bietenden Brutmöglichkeiten und Beeren angelockt werden.

Blumenwiese & Ruderalfläche

Die neu angesäte Blumenwiese und Ruderalfläche nehmen flächenmässig den grössten Raum ein. Damit das aus der Linthebene stammende Saatgut für die Blumenwiese keimen kann, musste die Grasnarbe vorerst entfernt und der Boden gepflügt werden. Die Ruderalflora hingegen wächst auf sehr mageren Böden, wofür stellenweise Wandkies und Sand eingebracht wurde. Mit etwas Geduld können ab dem nächsten Frühling bis zu 50 verschiedene Pflanzenarten entdeckt werden.

Förderung der Wildbienen

Die Wildbienen als Leitart des Projekts profitieren vom reichen Blütenangebot auf der Aufwertungsfläche, brauchen jedoch gleichzeitig geeignete Nistplätze. Fast 70 % der gut 600 Wildbienenarten in der Schweiz nisten im Boden, weshalb eine speziell für die Wildbienen angelegte Sandlinse nicht fehlen durfte. Hierfür wurde aus einer lokalen Kiesgrube ungewaschener Sand mit Lehmanteil bezogen und zu einer Sandlinse aufgeschichtet, worin die Wildbienen zukünftig ihre Niströhren graben können. Ergänzend wurden in Totholz künstliche Nistgänge unterschiedlicher Tiefe und Dicke gebohrt sowie mehrere Wildbienenhotels aufgehängt. Liebe Wildbienen, das Buffet ist eröffnet und die vielfältigen Nistmöglichkeiten sind bezugsbereit!

Kleinstrukturen

Zahlreiche Elemente wie Asthaufen, Steinhaufen und Wurzelstöcke schaffen zusätzliche Strukturen und damit Kleinhabitate. Mehrere Föhren auf der ursprünglichen Grünfläche mussten weichen; doch in Form von zwei Asthaufen, welche mit Wieselaufzuchtskammern ausgerüstet wurden, erhält das Astmaterial ein zweites Leben. Wann wohl das erste Wiesel seine neue Wieselburg entdeckt?

Ein Gemeinschaftsprojekt

Während grössere Arbeiten durch das Baggerunternehmen von Hans Steiner ausgeführt wurden, halfen die Tennisclubmitglieder für kleinere Arbeitsschritte tatkräftig mit. So wurde der jährliche Arbeitstag für den «Frühlingsputz» Mitte April mit der Pflanzung der Wildhecke, dem Bau der Sandlinse und der Erstellung der Kleinstrukturen kombiniert. Der Einbezug des Tennisclubs in die Erstellung der Ökofläche ist ein zentrales Element des Projekts und wird für die langfristigen Pflegearbeiten weitergeführt. Durch die naturnahe Pflege wird der Aufwand jedoch verglichen mit früher deutlich geringer ausfallen.

Der Einbezug der Tennisclubmitglieder bei der Erstellung und Pflege der Aufwertungsfläche ist ein zentraler Projektbestandteil.
An einem Arbeitssamstag im April wurden unter anderem Sträucher gepflanzt (links) und Nistmöglichkeiten für Wildbienen geschaffen (rechts).
Dank und Ausblick

Die Hauptfinanzierung des Aufwertungsprojekts erfolgt im Rahmen der Programmvereinbarung «Landschaft 2025-2028» über den Kanton Schwyz. Zusätzlich möchte sich die Stiftung Lebensraum Linthebene auch bei der Schwyzer Kantonalbank und für die zahlreichen Spenden für das «EAV Gross-projekt» sowie die Beratungsleistungen von Pro Tuggen bedanken. Die aufgewertete Fläche benötigt nun noch etwas Zeit, bis sie sich in ihrer vollen Blüte zeigen wird. Igel, Siebenschläfer und Wiesel wurden vereinzelt bereits vor der Aufwertung gesichtet. Mit den Aufwertungsmassnahmen stehen die Chancen gut, dass sich diese und weitere Arten zukünftig öfters blicken lassen und ihre Populationen stärken können.

Autor:in

Eliane Hirt

Mehr Beiträge

Noch mehr aus unserem Blog

Das Wieselförderprojekt geht auf Sendung

Das Wieselförderprojekt geht auf Sendung

Vergangener April wurde die sehenswerte Dokumentation «Naturwunder Schweiz: Kostbares Land» erstmals ausgestrahlt. Mitten drin wird auch das Wieselförderprojekt der Stiftung Lebensraum Linth-ebene vorgestellt. Der erste Teil der vierreihigen Dokumentation «Naturwunder...

«Mehr Erfahren» DIE SCHÖNSTEN ENTDECKUNGEN BEGINNEN DRAUSSEN

«Mehr Erfahren» DIE SCHÖNSTEN ENTDECKUNGEN BEGINNEN DRAUSSEN

Die Schweiz steckt voller spannender Naturgeschichten: «Mehr Erfahren» lädt dich ein, diese Geschichten draussen zu entdecken. Plane deinen nächsten Ausflug und erkunde die Themen- und Pflanzenlehrpfade in der ganzen Schweiz. Versteckt in Wäldern, auf Wiesen, entlang...

Unterstützen

Die Spenden fliessen direkt in Naturschutzprojekte.

Aktuelle Ausgabe