Zahlreiche Wildtiere wandern. Doch dabei stossen sie oftmals auf Hindernisse wie Autobahnen – bis vor kurzem auch bei der A4 zwischen Goldau und Steinen im Kanton Schwyz. Im Jahr 2022 wurde die Wildtierüberführung Röthen fertiggestellt und gilt seither als Vorzeigeobjekt. Erste Resultate aus dem mehrjährigen Monitoring liegen bereits vor – und sind vielversprechend.
Wildtierkorridore sind feste Routen, auf welchen sich Wildtiere grossräumig bewegen. Die Gründe für diese Wanderungen sind vielfältig und reichen von der Nahrungssuche über das Aufsuchen von Rückzugsgebieten bis hin zur Partnersuche für die Fortpflanzung. Insbesondere für die Fortpflanzung haben durchgängige Wildtierkorridore eine grosse Bedeutung. Bei isolierten Populationen steigt das Risiko von Inzucht und damit einhergehenden Effekten wie eine erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten oder Missbildungen. Mit durchgängigen Wildtierkorridoren hingegen bleiben Populationen vernetzt, der genetische Austausch wird gefördert und die Populationen sind gegenüber der Umwelt anpassungsfähiger.
Isolierte Lebensräume
Die Schweiz zählt total 304 Wildtierkorridore von überregionaler Bedeutung (Stand 2020), welche ein wichtiger Bestandteil der Ökologischen Infrastruktur darstellen. Sie sind für grössere Arten wie Reh, Rothirsch, Fuchs, Dachs und Wildschwein, als auch für Kleintiere wie Feldhase oder Baummarder relevant. Doch Strassen, Schienen und weitere Bauten unterbrechen die Wildtierkorridore vielerorts, womit auch die Lebensräume von Wildtieren fragmentiert und isoliert werden. Von den total 304 Wildtierkorridoren gelten nur 28 % als intakt und können von den Wildtieren genutzt werden. Der Grossteil ist entweder nennenswert bis stark beeinträchtigt (56 %) oder weitgehend unterbrochen, sodass eine Nutzung durch Wildtiere nicht mehr möglich ist (16 %). Zu letzterer Kategorie gehörte bis vor wenigen Jahren auch der Wildtierkorridor zwischen Rigi und Rossberg in der Region Goldau.

Vorzeigeobjekt Röthen
Die Wildtierüberführung Röthen bei Goldau wurde im Zeitraum 2021 / 2022 durch das Bundesamt für Strassen (ASTRA) erstellt, mit dem Ziel, die Wildtierkorridore zwischen der Rigi und Muotathal/Ibergeregg sowie Rossberg/Reusstal miteinander zu vernetzen. Die 60 m breite Überführung über die A4 gilt inzwischen als Vorzeigeobjekt bei der Wiederherstellung von Wildtierkorridoren und liefert wertvollte Erfahrungswerte für weitere Projekte.
Natürliche Wegweiser
Entscheidend für diesen Erfolg war einerseits die Standortwahl. Die Überführung liegt in unmittelbarer Nähe zum Wald und dem Naturschutzgebiet Sägel – für Wildtiere geeignete Lebensräume beidseits der Autobahn. Andererseits wurden auch zahlreiche ökologische Massnahmen unmittelbar bei, sowie vor und nach der Überführung umgesetzt, welche den Wildtieren den Weg weisen. Dazu gehören Strukturelemente wie Hecken, Kleingewässer und der naturnah gestaltete Bachlauf. Die Integration des Bachlaufs in die Überführung war für das ASTRA einmalig. Führte der Gnipenbach vor den baulichen Massnahmen noch in einem Betonkanal über die Autobahn, so ist das Gewässer nun ausgedolt und naturnah ausgestaltet. Eine Hochwasserschutzwand bietet auch bei einem hundertjährigen Hochwasser Sicherheit.
Laufendes Monitoring
An der Wildtierüberführung Röthen läuft zurzeit ein Monitoring, welches aufzeigen soll, ob und wie das Bauwerk von der Tierwelt angenommen wird. Das Monitoring ist dabei von grosser Bedeutung, da es nicht nur den direkten Erfolg der Massnahmen aufzeigt, sondern auch wertvolle Erkenntnisse für die Planung von zukünftigen Wildtierquerungen liefert. Im Beispiel Röthen erfolgt dieses Monitoring einerseits durch Fotofallen, welche mit Bewegungssensoren ausgestattet sind, andererseits durch die Spurenauswertung.

Bereits zahlreiche Nachweise
Die Monitoringberichte sind zwar noch in Erarbeitung, es liegen aber bereits vielversprechende Bilder aus Fotofallen vor. Sie zeigen, dass die Überführung von Hirsch, Reh, Fuchs und Dachs genutzt wird. Auch weitere Zielarten wie die Gelbbauchunke profitieren von den neu geschaffenen ökologischen Strukturen. Die Unken wurden bereits wenige Monate nach Bauabschluss gesichtet.




