Im Zeitraum 2023/2024 wurden die lichten Waldstandorte im Rahmen des Projekts «Ein Mosaik vielfältiger Wälder im Tössbergland» erweitert, um Orchideen wie den Frauenschuh und seltene Baumarten zu fördern.
Seit Mitte Mai blühen sie wieder, die Frauenschuhe im Fördergebiet «In den Brüchen» im Tössbergland. Es ist ein eher seltener Anblick und etwas abseits der gängigen Wanderwege ahnen die meisten Erholungssuchenden, abgesehen von den Einheimischen und den Projektbeteiligten, nichts von ihrer Anwesenheit. Für die Art ist es vermutlich besser so.
Der Frauenschuh wird seltener
Während es in den Alpen und Voralpen noch einige Bestände gibt, so sind die Vorkommen des Frauenschuhs im Mittelland und in der Nordostschweiz rückläufig – und der Rückgang erfolgt rasch. Für ihr Gedeihen benötigt die Art in der Regel kalkhaltige, lockere, tiefgründige und eher nährstoffarme Böden. Neue Exemplare des Frauenschuhs – wie auch aller einheimischen Orchideenarten – wachsen nur in der Gegenwart von geeigneten Pilzen. Aber auch ausgewachsene Pflanzen können insbesondere in dunkleren Wäldern von den nährstoffliefernden Pilzen profitieren. Trotzdem gilt der Frauenschuh als Lichtwaldart und kann mit gezielten Auflichtungen gefördert werden.
Jüngste Massnahmen
Im Rahmen des Projekts «Ein Mosaik vielfältiger Wälder im Tössbergland» wurden – nach ersten forstlichen Eingriffen im Jahr 2012 – in den vergangenen 2 Jahren weitere Flächen aufgewertet. Im Herbst 2024 lag der Fokus neben den Orchideenarten auch auf seltenen Baumarten mit einer höheren Trockenheitsresistenz als die Fichte, darunter der Ahorn, die Weisstanne und die Mehlbeere. Die Orchideenstandorte wurden gezielt aufgelichtet und seltene Baumarten freigestellt. Einzelbäume wurden aufgrund der Schneebewegungen am steilen Hang hoch abgesägt und gestreift, um dem Borkenkäfer keine zusätzlichen Habitate zu bieten. Von den Massnahmen profitieren viele weitere Arten wie das Langblättrige Waldvögelein, die Heidelbeere und die Tagfalter.

Vielfalt geht vor
Für den Förster Erich Rüegg war klar, dass hier aufgrund des schlecht erschlossenen und abschüssigen Geländes nicht der Wirtschaftswald, sondern vielmehr die Vielfalt im Vordergrund stehen sollte. «Aufgrund der schwierigen Standortbedingen ist das Ausfliegen des Holzes ein Retourgeschäft, weshalb wir auch im Herbst 2024 möglichst viel Material zu Haufen schichteten und vor Ort deponierten. Allerdings auch nicht zu viel, um möglichst viele offene Bodenflächen bereitzustellen.» Es galt also eine gute Balance zwischen den Kosten und den ökologischen Zielen zu finden. Mit den Abgeltungen für die biodiversitätsfördernden Massnahmen konnten ziemlich genau ein Drittel der Kosten gedeckt werden. Der Holzerlös trug knappe 15 % zur Kostendeckung bei. An den Restkosten beteiligten sich diverse Stiftungen – ohne deren Unterstützung wäre das Projekt kaum realisierbar gewesen. «Die Stiftungen haben schon bei der Lancierung des Projekts an die Nachpflege gedacht und entsprechend langfristig finanzielle Mittel gesichert», freut sich Erich Rüegg.
Die Natur braucht Zeit
Nun brauchen die jüngsten Eingriffsflächen Zeit, um sich zu entwickeln. Aus den früheren Eingriffen ist bekannt, dass die Frauenschuhe bereits nach 4-5 Jahren stark auf die lichtbringenden Massnahmen reagieren und sich mehr blühende Exemplare zeigen. Die Aufwertungsmassnahmen von 2023/2024 sind vorläufig abgeschlossen. Neben den zukünftigen Pflegeeingriffen, um die Flächen langfristig offen zu halten, macht sich Erich Rüegg aber bereits Gedanken über eine weitere Ausdehnung der lichten Waldflächen.




