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Bedrohte Flusskrebse

09.10.2023Artenschutz

Kampf gegen die tödliche Krebspest

Die einheimischen Flusskrebse sind ein wichtiger Teil der Schweizer Gewässer. Durch eingeschleppte Arten aus Amerika kämpfen sie heute gegen die Krebspest und um ihr Überleben.

Unsere Schweizer Bäche und Flüsse beheimaten zahlreiche faszinierende Lebewesen. So auch vier einheimische Flusskrebsarten. Der bekannteste ist der Edelkrebs (Astacus astacus). Flusskrebse spielen im Ökosystem Wasser eine wichtige Rolle. Als Allesfresser ernähren sie sich von verschiedenen organischen Materialien wie zum Beispiel Wasserpflanzen, abgestorbenen Pflanzenresten, Insekten und Aas. Sie sind also ein wichtiger Teil der Nahrungskette. Flusskrebse reagieren sehr empfindlich auf Verschmutzungen der Umwelt und Veränderung der Lebens- räume, weshalb sie auch als Indikatorarten für eine intakte Umwelt dienen. Aber auch als Nahrungsmittel sind Flusskrebse sehr beliebt. Früher standen sie fast täglich auf dem Speiseplan der Fischer, heute gelten sie als Delikatesse.

Signalkrebse bedrohen als Überträger der Krebspest die einheimischen Flusskrebsarten. ©Cehermosilla

GEFÄHRDETE FLUSSKREBSE

Zurzeit gelten alle vier Arten in der Schweiz als gefährdet bis gar vom Aussterben bedroht. Gründe dafür sind nicht nur die zunehmende Verschmutzung der Gewässer und der Lebensraumverlust, sondern vor allem die Ausbreitung invasiver Krebsarten und die damit verbundene Gefahr durch die Krebspest. Die Krebspest ist eine hoch ansteckende Pilzerkrankung, welche für die Krebse oft tödlich endet. Bereits vor etwa 150 Jahren wurden die Bestände der europäischen Flusskrebse durch die infektiöse Krankheit dezimiert. Zur Verstärkung der Populationen wurden damals Flusskrebsarten aus Nordamerika in europäische Gewässer eingesetzt. Der amerikanische Signalkrebs ähnelt dem einheimischen Edelkrebs in Grösse und Geschmack, was wirtschaftlich interessant war. Die gut gemeinte Aktion entpuppte sich allerdings rasch als unaufhaltsame Bedrohung. Signalkrebse sind weitgehend immun gegen die Krebspest, tragen den Pilz jedoch mit sich und infizieren so die einheimischen Arten. Die Flusskrebspopulationen sind seither stark zu- rückgegangen und der Krebspesterreger zählt gar zu den 100 schlimmsten invasiven Arten weltweit.

LÖSUNGSSUCHE

Um eine weitere Ausbreitung der Krebspest zu verhindern, gilt heute ein Verbot für die Aussetzung fremdländischer Krebse. Weiter werden Personen, welche sich häufig an Gewässern aufhalten, wie Fischer, Wassersportler oder Bauarbeiter im Wasserbau auf die Thematik sensibilisiert. Es werden ausserdem Krebssperren getestet, um die noch spärlich erhaltenen einheimischen Populationen zu schützen. Der Umgang mit invasiven Arten und die Suche nach Lösungen bleiben jedoch grosse Herausforderungen im Naturschutz.

*Titelbild: ©Geza Farkas

Autor:in

Melanie Bischof

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