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Klimawandel und Biodiversität

15.04.2024Biodiversität

Aktueller Zustand und Herausforderungen

Klimawandel und Biodiversität – Zwei Begriffe, die man immer wieder in den Medien hört. Doch wie sieht es aktuell eigentlich aus? Sind wir auch in der Schweiz vom Klimawandel betroffen? Und ist die Artenvielfalt trotz vieler grüner Wiesen und Wälder bei uns überhaupt gefährdet?

Seit Beginn der Industrialisierung im 18. Jahrhundert hat sich das Klima gewandelt. Durch vermehrte Treibhausgasemissionen hat sich die Zusammensetzung der Atmosphäre verändert. Dadurch wurde der natürliche Treibhauseffekt verstärkt und die globale Durchschnittstemperatur hat zugenommen. 2023 war das erste Jahr, in dem die globale Temperatur 12 Monate lang durchschnittlich über 1,5 °C höher war als im vorindustriellen Referenzzeitraum. In der Schweiz haben sich die Temperaturen im Schnitt bereits um 2,8 °C erwärmt. Dies zeigt auch das Titelbild. Jeder rote Streifen steht für ein Jahr, das wärmer war als der Durchschnitt zwischen 1961-1990. Die blauen Streifen stehen dementsprechend für ein Jahr, das kühler war. Die Erwärmung des Klimas führt in der Schweiz zu mehr Hitzewellen, mehr Trockenheit, stärkeren Extremwetterereignissen und gleichzeitig weniger Frosttagen und geringere Gletschervolumen. Die Veränderung des Wasserhaushalts bedeutet nicht nur eine Gefährdung der Wasserversorgung, sondern gefährdet auch die Biodiversität.

Im Vergleich zur vorindustriellen Zeit hat die Temperatur in der Schweiz im Schnitt um 2,8 °C zugenommen (Referenzzeitraum 1871-1900). Die Auswirkungen sind bereits heute zu spüren. © MeteoSchweiz
WAS IST EIGENTLICH BIODIVERSITÄT?

Die Biodiversität ist die Lebensgrundlage für den Menschen. Biodiversität bedeutet «Lebensvielfalt» und umfasst die Vielfalt von Lebensräumen, Arten und Genen. Die biologische Vielfalt ist die Grundlage für funktionsfähige Ökosysteme. Diese Ökosysteme erbringen Leistungen von hohem Wert und sind die Grundlage für unsere Ernährung, saubere Luft, sauberes Wasser und die Regulation des Klimas. Der Biodiversitätsverlust zählt heute zu einem der fünf wichtigsten globalen Risiken und verursacht Kosten von bis zu 20 Billionen Dollar pro Jahr. Wird nicht gehandelt, wird es wohl auch die Schweiz deutlich teurer zu stehen kommen, als wenn jetzt in einen wirkungsvollen Schutz investiert wird.

WIE STEHT ES UM DIE BIODIVERSITÄT IN DER SCHWEIZ?

In der dicht besiedelten Schweiz gibt es von allen Industrieländern den höchsten Anteil an bedrohten Arten. In der Schweiz sind bisher 56‘000 verschiedene Tier-, Pflanzen- und Pilzarten bekannt. Von den untersuchten Arten gelten 35 % als gefährdet oder ausgestorben, weitere 12 % sind potenziell gefährdet. Die Hauptursache sind die vom Menschen verursachten Probleme, wie Landnutzung (Bodenversiegelung und intensive Landwirtschaft) und die Emissionen von Schadstoffen. Von den 230 in der Schweiz vorkommenden Lebensräumen (wie zum Beispiel Stillwasserröhricht oder Trockenrasen) wurden 167 beurteilt und fast die Hälfte davon ist gefährdet. Vor allem Auen, Moore und Trockenwiesen sind bedroht. Alle Lebensraumbereiche weisen massive Flächen- und Qualitätsverluste auf. Untersuchungen des Bundesamtes für Umwelt zeigen, dass die bisherigen Bemühungen nicht ausreichen, um die Artenvielfalt langfristig zu erhalten. Zurzeit sind 60 % der Insekten und 40 % der Brutvögel gefährdet oder potenziell gefährdet. 95 % der Trockenwiesen und -weiden und 90 % der Moorflächen sind in den letzten 100-150 Jahren verschwunden. Zudem sind 80 % der Amphibien und Reptilien auf der roten Liste. Ein Aussterben auf lokalem, regionalem und nationalem Niveau findet statt.

Im Vergleich zu den Nachbarländern hat die Schweiz den grössten Anteil an bedrohten Arten. Besonders drastisch sieht die Situation bei den Amphibien und den Repitlien aus, wo 80 % der Arten bedroht sind.
DIE GENETISCHE VIELFALT

Neben der Artenvielfalt ist auch die genetische Vielfalt gefährdet. Jedes Lebewesen hat eine etwas andere Genetik und somit etwas andere Eigenschaften. Ändert sich beispielsweise das Klima, überleben nur jene Individuen, die mit den neuen Bedingungen umgehen können. Eine genetische Vielfalt ist wichtig für den Fortbestand einer Art. Mit jedem Lebewesen, dass wegen sich schnell verändernder Umwelt stirbt geht genetische Vielfalt verloren. Dementsprechend müssen wir jedem einzelnen Lebewesen Sorge tragen.

Von den untersuchten Arten der Schweiz gelten 35 % als gefährdet oder ausgestorben. Weitere 12 % wurden als potenziell gefährdet eingestuft.

Anteil Pflanzen, Pilze und Flechten sowie Tierarten nach Gefährdungskategorien.
EINE LEBENSWERTE ZUKUNFT

Wir sind auf intakte Ökosysteme angewiesen. Nur so können Gemüse und Obstpflanzen von Insekten bestäubt werden. Nur so bleibt unsere Luft zum Atmen sauber und nur so können wir uns in vielfältigen Naturlandschaften erholen. Die aktuellen Zahlen zum Klimawandel und zur Biodiversität in der Schweiz zeigen, dass wir vor grossen Herausforderungen stehen. Es liegt nun an allen Ebenen der Gesellschaft, gemeinsam diese Herausforderungen anzugehen und die Schweiz auf einen nachhaltigen Pfad in eine klimastabile Zukunft zu führen. Die Biodiversitätsinitiative bietet hierzu die Möglichkeit, den Schutz der Biodiversität in der Verfassung zu verankern. Zudem fordert sie mehr Flächen sowie finanzielle Mittel für die Biodiversität. Die Abstimmung wird am 22. September 2024 stattfinden. Den Wahlkampf unterstützen oder Material bestellen kann man unter www.biodiversitaetsinitiative.ch.

*Titelbild: MeteoSchweiz

Autor:in

Melanie Bischof

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