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11 Jahre Kiebitzschutz

05.09.2023Artenschutz

Artenförderung im Nuoler Ried und Frauenwinkel

BEREITS DIE ELFTE SAISON SEIT BEGINN DER KIEBITZFÖRDERUNG IM FRAUENWINKEL UND NUOLER RIED IM JAHR 2013 IST MITTE JULI ZU ENDE GEGANGEN. ZWAR FANDEN IN DIESEM JAHR WENIGER BRUTPAARE ALS ÜBLICH DEN WEG IN DIE BEIDEN SCHUTZGEBIETE, DAFÜR WURDEN JEDOCH ÜBERDURCHSCHNITTLICH VIELE JUNGVÖGEL FLÜGGE.

Der Kiebitz gehört nicht zuletzt dank seines auffälligen Aussehens zu den wohl bekanntesten Watvögeln. Als typischer Bewohner von Feuchtgebieten litt er in der Vergangenheit enorm unter der Trockenlegung seiner Lebensräume zu Gunsten der Landwirtschaft. Glücklicherweise kann der Kiebitz auch landwirtschaftliche Flächen als Brutplatz nutzen. Die heutzutage intensivierte Landwirtschaft verunmöglicht jedoch oft eine erfolgreiche Brut. Die Stiftung Frauenwinkel hat in diesem Jahr ihr elftes Projektjahr der Kiebitzförderung in den beiden Schutzgebieten Frauenwinkel und Nuoler Ried bestritten. Neben Schutzmassnahmen vor Räubern am Boden und aus der Luft ist die Begleitung landwirtschaftlicher Arbeiten von zentraler Rolle, um zu verhindern, dass Gelege oder Jungvögel überfahren werden.

Jungvogel auf Nahrungssuche. ©René Effinger

FÖRDERFLÄCHEN – EINE BEREICHERUNG FÜR DEN KIEBITZ

In diesem Jahr wurden erstmals spezielle Gründüngungsmischungen auf drei Flächen im Nuoler Ried eingesetzt. Es handelt sich um Saatgut, welches lückig aufwachsen soll. Eine lückige Vegetation im Umfeld der Nester ist nämlich essenziell für den Kiebitz, da er nur so den nötigen Überblick hat, um Gefahren rechtzeitig zu erkennen. Die Förderflächen zeigten Erfolg. Gut ein Drittel der Gelege wurde innerhalb der Flächen entdeckt, wobei die effektive Anzahl noch höher sein dürfte, da die Flächen mit zunehmendem Aufwuchs mit der Zeit nur noch schlecht einsehbar waren. Auch wenn wie vorgesehen wieder Lücken in der Vegetation vorhanden waren, wuchsen die Flächen teilweise zu hoch und dicht, was vor allem am hohen Nährstoffeintrag aus früherer Nutzung liegen dürfte. Die Förderflächen stellen dennoch unbestritten eine Bereiche- rung für den Kiebitzschutz dar. Aufgrund der dort  komplett  ausbleibenden Bewirtschaftung während des Brutgeschäfts werden keine Gelege oder Jungvögel überfahren. Ausserdem bieten sei neben eines üppigen Nahrungsangebots auch Schutz bei Landwirtschaftsarbeiten auf benachbarten Flächen.

Lückige Förderfläche aus Kiebitz-Sicht.

FRAUENWINKEL

Der Frauenwinkel verursacht aufgrund des grossen Naturschutzgebietanteils etwas weniger Aufwand als das Nuoler Ried, welches zu einem grossen Teil aus Landwirtschaftsflächen besteht. Der Unterhalt der Schutzzäune und die dreimal wöchentlichen Beobachtungsrundgänge müssen aber auch hier lückenlos vorgenommen werden. Im Frauenwinkel brüteten in diesem Jahr lediglich 5 Paare. Mit insgesamt 2 beobachteten flüggen Jungvögeln ergibt sich eine Erfolgsquote von 0,40 flüggen Jungvögeln pro Brutpaar. Damit liegt der Bruterfolg im Bereich der letzten 5 Jahre (Ø 0.37) jedoch noch deutlich unter dem bestandserhaltenden Minimum von 0,8. Populationen schwanken jedoch auch natürlicherweise und es ist zu hoffen, dass nächstes Jahr wieder mehr Kiebitze den Weg zum Frauenwinkel finden. Fest steht, dass die eher kleine Population stark auf die Massnahmen der Stiftung angewiesen ist.

NUOLER RIED

Im Nuoler Ried konnten die Bewirtschaftenden dieses Jahr erst spät mähen, was für den Kiebitz ein Segen war, für die Mitarbeitenden der Stiftung Frauenwinkel aber einen Mehraufwand bedeutete, da die Schutzzäune übermässig oft ausgemäht werden mussten, um die erforderliche Spannung dauerhaft zu gewährleisten. Der Bruterfolg im Nuoler Ried ist überaus erfreulich. Zwar war die Zahl  der  Brutpaare  mit  18  auch hier weniger gross als im letzten Jahr, mit 28 flügge gewordenen Jungvögeln und einer Quote von 1,56 flüggen Jungvögeln pro Brutpaar wurde der Fünfjahresschnitt von 1,08 jedoch deutlich überschritten, wie auch das bestandserhaltende Minimum. So erfreulich die Bestandsentwicklung auch ist, der Druck auf die Kiebitze im Nuoler Ried ist hoch. Ohne die konsequenten Massnahmen wären auch dieses Jahr eine grosse Zahl Jungvögel ums Leben gekommen. Die positive Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftenden und das grosse Potenzial der Kiebitzförderflächen stimmen jedoch positiv für die Zukunft des Projekts.

*Titelbild: ©Wendelin Kessler

Die Nester wurden, wie in den vergangenen Jahren, bei landwirtschaftlichen Arbeiten abgedeckt und von den Bewirtschaftenden umfahren.
Vor landwirtschaftlichen Einsätzen werden die jungen Kiebitze aus den Flächen geholt. Durch die gute Tarnung der kleinen Küken sind die Suchaktionen teilweise sehr aufwändig.

Autor:in

Fabian Rätz

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