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Auerhuhn – Fördermassnahmen im Waldreservat Amden

20.01.2025Artenförderung


Das Auerhuhn (Tetrao urogallus) ist der grösste Hühnervogel Europas und ein Symbol der unberührten Bergwälder. Aufgrund seines einzigartigen Lebensraumes, seiner Ernährung und seiner speziellen Anpassungen ist es eine faszinierende, aber auch bedrohte Art, die besonderen Schutz benötigt. Im «Sonderwaldreservat Amden» wurden gezielte Fördermassnahmen umgesetzt. 


Das Auerhuhn ist in erster Linie ein Pflanzenfresser, dessen Ernährung stark von den Jahreszeiten abhängig ist. In den warmen Monaten besteht seine Nahrung hauptsächlich aus Beeren, Blüten, Knospen und Trieben. Dabei spielen die Heidelbeeren und Preiselbeeren eine zentrale Rolle in der Ernährung, da sie wertvolle Nährstoffe und Energie liefern. Diese Nahrungsquellen sind besonders wichtig in der Fortpflanzungszeit, wenn die Vögel sich auf die Aufzucht ihrer Jungen konzentrieren. Gelegentlich ergänzt das Auerhuhn seine Nahrung mit tierischen Proteinen, insbesondere Ameisen und Käfern. Vor allem die Küken sind auf Insekten als Nahrung angewiesen. Im Winter, wenn die Nahrungsversorgung in den Bergwäldern knapp wird, zeigt das Auerhuhn seine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit. Zu dieser Zeit ernährt es sich fast ausschließlich von Nadeln der Nadelbäume wie Kiefern und Fichten. 

Lebensraum

Das Auerhuhn bevorzugt alte, ungestörte Nadelwälder in abgelegenen Bergregionen. Diese Wälder bieten eine ideale Mischung aus Nahrung, Schutz vor Raubtieren und geeigneten Bedingungen für die Fortpflanzung. Besonders wichtig sind Wälder mit dichter Bodenvegetation, wie Heidelbeere, Farne und Gräser, die nicht nur Nahrung, sondern auch Schutz bieten. Die Bodenvegetation ermöglicht es dem Auerhuhn, sich vor Feinden zu verstecken, während sie gleichzeitig eine wichtige Nahrungsquelle darstellt. 

Ein entscheidender Bestandteil des Lebensraums des Auerhuhns sind Ameisennester, da diese für die Küken eine wichtige Eiweissquelle darstellen. Wälder, die reich an Ameisen sind, sind daher besonders attraktiv für Auerhühner. In ungestörten, strukturreichen Wäldern finden Auerhühner zudem Schlaf- und Nahrungsbäume. 


Aufgelichtete Waldflächen fördern das Aufkommen der Bodenvegetation wie beispielsweise die Heidelbeeren. Diese bieten dem Auerhuhn willkommene Nährstoffe.
Bedrohungen

In den letzten Jahrzehnten sind die Populationen des Auerhuhns in vielen Regionen stark zurückgegangen. Die Hauptursachen für den Rückgang sind der Verlust geeigneter Lebensräume und die intensive Forstwirtschaft. Moderne, auf Profit ausgelegte Forstmethoden führen häufig zur Homogenisierung der Wälder, wodurch das komplexe Netz an Bodenvegetation, Totholz und Nahrungsbäumen zerstört wird. Darüber hinaus stellen ungelenkte Freizeitaktivitäten wie Skitourismus, Mountainbiken oder Wandern eine Bedrohung für die Art dar, da sie zu erhöhtem Stress und damit zu geringeren Fortpflanzungserfolgen führen.

Waldreservat Amden

Ein herausragendes Beispiel für die Auerhuhnförderung ist das Waldreservat in Amden, wo die grösste Auerhuhn Population der Nordostschweiz lebt. Das 1.772 Hektar grosse Reservat umfasst Wälder in Höhenlagen von 1.040 bis 2.101 Metern. Als das Projekt begann, nutzte das Auerhuhn nur etwa einen Drittel der Waldfläche, da der Grossteil des Waldes zu dicht und zu dunkel war. 

Im Rahmen des Projekts wurden verschiedene forstliche Massnahmen ergriffen, um den Lebensraum des Auerhuhns zu verbessern. Dazu gehört das Auslichten des Waldes, um die Bodenvegetation, insbesondere Heidelbeeren, zu fördern. Außerdem wurde darauf geachtet, wichtige Nahrungs- und Schlafbäume, vor allem Weisstannen, zu erhalten. Flugschneisen und Grenzlinien wurden geschaffen, um dem Auerhuhn die Bewegung zwischen den Waldgebieten zu erleichtern. Ein weiterer Fokus lag auf der Förderung von Totholz, da stehendes und liegendes Totholz die Biodiversität im Wald erhöht und Lebensraum für andere Arten schafft. 

Darüber hinaus wurden Maßnahmen ergriffen, um die Störungen durch Menschen zu minimieren, insbesondere in den sensiblen Winterquartieren. Weggebote und Betretungsverbote in Kerngebieten helfen, die Vögel vor Stress zu schützen. 


Der Moorrand-Fichtenwald zählt mit seinen lichten Stellen und grösseren Mengen an Totholz zu den natürlichen Auerhuhnlebensräumen. Abbildung: Andrea Klaiber
Fazit

Das Auerhuhn ist ein faszinierender und schützenswerter Vogel, dessen Überleben von der Erhaltung ungestörter, alter Wälder abhängt. Projekte wie das Waldreservat Amden zeigen, dass gezielte Schutzmassnahmen positive Auswirkungen auf die Populationen haben können. Es bleibt jedoch wichtig, den Lebensraum des Auerhuhns weiterhin zu schützen und die Biodiversität in unseren Wäldern zu fördern. 

 

Autor:in

Jörg Fünfgeld

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