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Der Luchs

27.08.2023Tierpark

Zum Schutz und Erhalt der Pinselohren

Der einst ausgerottete Eurasische Luchs streift seit den 70er-Jahren wieder in den Schweizer Wäldern umher. Den­noch ist er auf weitere Hilfe durch den Menschen angewiesen. Deswegen fand im vergangenen Februar im Auftrag des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes ein Luchsweibchen-Tausch zwischen dem Natur- und Tierpark Goldau und dem Tiergarten Nürnberg statt. Doch wieso?

Das «ehemalige» Goldauer Luchs­weibchen und das Nürnberger Männchen sind beide reine Karpati­sche Luchse – eine Unterart des Eurasischen Luchses. Somit passen die beiden genetisch perfekt zueinander. Mit einer erfolgreichen Zucht tragen sie so einen wichtigen Teil zum Erhalt der in Mitteleuropa gefährdeten Tierart bei. Global betrachtet gilt der Eurasische Luchs zwar Dank seiner weiten Verbreitung bis nach Nordostasien als «nicht gefährdet», doch die Situation in der Schweiz und in wei­ten Teilen Europas sieht ganz anders aus. Hierzulande und in Deutschland steht der Eu­rasische Luchs auf der Roten Liste und wird als «stark gefährdet» eingestuft.

Die Luchse in Mitteleuropa sind auf die aktive Hilfe des Menschen angewiesen ©Natur- und Tierpark Goldau

DIE SITUATION IN DER SCHWEIZ

Die grösste europäische Katzenart lebt gut ge­tarnt in den deckungsreichen Wäldern der Schweiz. Merkmale des Luchses sind sein mar­kanter Backenbart und seine Pinselohren. Hauptsächlich als Einzelgänger unterwegs, streifen Luchse durch ihr bis zu 400 km2 gros­ses Revier. Nur während der Paarungszeit zwi­schen Februar und April treffen Kuder und Katze aufeinander. Danach zieht die Mutter ein bis vier Jungtiere auf, ehe sich die Jungen im Alter von neun bis elf Monaten auf die Su­che nach ihren eigenen Revieren machen. Die Gesamtzahl der Schweizer Luchse liegt bei rund 250 Individuen, verteilt auf zwei Popu­lationen im Jura und in den Alpen, welche durch das Mittelland voneinander getrennt sind. Genau hier liegt die grosse Gefahr für die Schweizer Population: Während der Abwan­derungsphase müssen Luchse Gewässer, Agrarflächen, Siedlungen und Verkehrsachsen durchqueren. Ebenso verhindert die hochal­pine Zone die Ausbreitung der Tiere. So blei­ben die Populationen unter sich, was zu einer genetischen Verarmung führt.

GESCHÜTZT, ABER DOCH GEFÄHRDET

Zwar wachsen die beiden Populationen in der Schweiz weiter an, doch ist damit das Überle­ben des Luchses in der Schweiz und den Alpen noch nicht gesichert. Durch die genetische Verarmung und die daraus entstehende In­zucht steigt das Risiko von Herzproblemen und die Sterblichkeit nimmt zu. Da aufgrund des konservativen Abwanderungsverhaltens des Luchses keine spontane Mischung oder Zusammenschliessung verschiedenster Popu­lationen Europas zu erwarten ist, muss die Ausbreitung durch Umsiedlungen aktiv geför­dert werden. Daher ist der Mensch zwar ein wichtiger Unterstützer der Luchspopulationen in Mitteleuropa, doch gleichzeitig ist er auch eine der Gefahren für die Tiere: Trotz klaren Gesetzen wird der Luchs immer noch illegal getötet und es kommt zu tödlichen Kollisionen mit Fahrzeugen. Dazu kommt, dass der Mensch die Lebensräume der Luchse mehr und mehr einnimmt und so die für den Luchs bewohnbaren Gebiete stark fragmentiert sind.

*Titelbild: ©Natur- und Tierpark Goldau

Autor:in

Natur- und Tierpark Goldau

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