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Kaltbrunner Riet

26.08.2023Naturschutz

Moorregeneration und ökologische Aufwertung

Das Kaltbrunner Riet erhielt dringend benötigte Hilfe. Der stark ausgetrocknete Entensee wurde regeneriert und ökologisch mit dem Möwenteich verbunden. Bestehende Entwässerungsleitungen wurden verschlossen und eine Flachwasserzone in der bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche zwischen den beiden Flachmooren geschaffen.

Das Schutzgebiet, welches sich über das Benkner-, Burger- und Kalt­brunner Riet erstreckt, ist ein wichtiger Lebensraum für viele Arten und sein Schutz von internationaler Bedeutung. So ist es gleichzeitig Flachmoor, Amphi­bienlaichgebiet und Wasser- und Zugvogel­reservat von nationaler Bedeutung. Dieser Lebensraum und die darin vorkommenden Pflanzen- und Tierarten gilt es deshalb ent­sprechend zu schützen und für deren Fort­bestehen zu sorgen.

Die drainierte Landwirtschaftsfläche im Ausgangszustand vom Sommer 2022. ©Pro Natura

GESTÖRTES FLACHMOOR

Das Schutzgebiet besteht aus zwei Haupttei­len, dem Entensee und dem Möwenteich, welche von einer drainierten, landwirt­schaftlichen Fläche noch bis vor Kurzem ge­trennt waren. Das ursprüngliche Entwässe­rungsregime in der Schutz- und Pufferzone um den Entensee sorgte dafür, dass das Wasser aus dem Einzugsgebiet des Sees ab­geleitet wurde. Die Entwässerung und zu­nehmend heissen und niederschlagsarmen Sommer führten dazu, dass die Böden aus­trockneten und der Wasserhaushalt des Flachmoors gestört wurde. Ein Flachmoor wird durch Grund- oder Hangwasser sowie Niederschlag gespiesen. Die dort vorkom­menden Pflanzen- und Tierarten sind auf eine permanente Vernässung angewiesen. Ein Viertel der bedrohten Pflanzenarten in der Schweiz kommt nur auf Moorböden vor. Auf Trockenheit sensibel reagierende Arten wurden deshalb zunehmend von Neophyten wie der Goldrute verdrängt, die besser mit solchen Bedingungen zurechtkamen. Als Folge wurden grossflächige Neophytenbe­kämpfungsmassnahmen notwendig. Der Entensee verlor durch die verstärkte Verlan­dung an Wasseroberfläche und setzte in den wasserfreien Flächen Nährstoffe frei, die durch die Oxidation der Torfschicht entste­hen. Diese gelangten wiederum bei Nieder­schlägen in die umliegenden Flächen und beeinflussten die fragile Pflanzenzusam­mensetzung des Moors.

Die zukünftige Flachwasserzone wird grossflächig abgetragen, damit vernässte Stellenmit unterschiedlichen Tiefen entstehen. ©Pro Natura
So profitieren die Wasser- und Zugvögel gleichermassen von den unterschiedlichen Bedingungen. ©Pro Natura

PROJEKTVERLAUF

Seit 2011 wurden im Auftrag von Pro Natura verschiedene Untersuchungen und Erhe­bungen im Kaltbrunner Riet durchgeführt, auf deren Ergebnisse die nun umgesetzten Massnahmen aufbauen. Als Grundeigentü­merin und Naturschutzorganisation war Pro Natura St. Gallen-Appenzell sehr daran in­teressiert, die beiden Teile des Schutzgebie­tes wieder miteinander zu verbinden. Ge­spräche mit Grundeigentümern, Gemeinden und der Linthebene-Melioriation waren schon seit längerem im Gange. 2021 wurden sich alle Parteien über die moorhydrologi­schen Massnahmen und ökologischen Auf­wertungen im Entensee und in der Zwi­schenzone einig.

VERNÄSSUNGSMASSNAHMEN

Die Entwässerungsleitungen wurden ver­schlossen und eine Flachwasserzone mit ei­ner Flutmulde und Flutwiese zwischen den beiden Flachmooren geschaffen. Dieser Be­reich mit verschiedenen Wassertiefen macht das Naturschutzgebiet für Zugvögel und Amphibien besonders attraktiv, da solche Standorte selten geworden sind. Im Herbst kann die Bewirtschaftung durch gezieltes Absenken des Wasserspiegels erleichtert werden. Das ursprünglich abgeleitete Was­ser kann nun wieder in den See fliessen und für einen höheren Wasserpegel sorgen.

Der nährstoffreiche Oberboden der Wiese wird mit einem Bagger abgetragen. ©Pro Natura

WEITERE AUFWERTUNGSMASSNAHMEN

Ein fischfreier Weiher speziell für Kamm­molche wurde gebaut und neue Niederhec­ken um die Flachwasserzone gepflanzt. Letz­tere bieten z.B. dem Laubfrosch neuen Lebensraum. Sobald die Niederhecken dicht zusammengewachsen sind und vor direktem Einblick schützen, sorgt dies für weniger Störungen durch die Besuchenden. Zug- und Wasservögel sind sehr störungsanfällig und haben teils grosse Fluchtdichtstanzen.

ANGEBOT FÜR DIE BESUCHENDEN

Die Besucherinnen und Besucher werden natürlich nicht aussen vor gelassen. Der neu gestaltete Lebensraum kann von einer spe­ziell angelegten Beobachtungsplattform beim Info-Pavillon eingesehen werden. Ein neuer Weiher in unmittelbarer Nähe lässt Beobachtungen von Libellen und anderen Tieren aus nächster Nähe zu. Das Gebiet und die zwei Beobachtungstürme sind ganzjäh­rig begehbar. An den Wochenenden zwi­schen April und Juni ist zusätzlich die von Freiwilligen betreute Ausstellung im Info-pavillion geöffnet.

Die neue Beobachtungspattform beim Info-Pavillon und der neu erstellte Weiher für Beobachtungen aus der Nähe. ©Pro Natura

VORZEIGEPROJEKT

Das Aufwertungsprojekt konnte nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen ver­schiedenen Akteuren im Kaltbrunner Riet realisiert werden. Das Projekt ist wegwei­send für den langfristigen Erhalt des Schutz­gebiets und damit der Biodiversität im Linthgebiet und im ganzen Kanton St. Gal­len. Mehr Informationen zum Projekt gibt es unter www.pronatura-sg.ch.

*Titelbild: ©Pro Natura

Autor:in

Philippe Keiser

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