Die Stiftung Frauenwinkel blickt auf eine ungewöhnliche Kiebitz-Brutsaison zurück. Die Vögel kamen sehr früh – bereits anfangs März – aus ihren Winterquartieren ins Brutgebiet zurück. Ausserordentlich viele Ersatzgelege führten jedoch dazu, dass sich die Brutsaison bis in den Juli hineinzog. Der geleistete Mehraufwand wurde mit einem insgesamt erfreulichen Bruterfolg entschädigt.
Der Kiebitz (Vanellus vanellus) war vor gut hundert Jahren in der Schweiz noch weit verbreitet. Dann wich er aufgrund des Verlusts von Lebensräumen durch die Trockenlegung von Feuchtgebieten zunehmend auf landwirtschaftliche Flächen aus. Dort wird sein Bruterfolg jedoch von der intensiven Bewirtschaftung und dem Einsatz von Maschinen beeinträchtigt. Deshalb plant die Stiftung Frauenwinkel seit 2013 zahlreiche Fördermassnahmen in den Brutgebieten Nuoler Ried und Frauenwinkel im Kanton Schwyz und setzt diese gemeinsam mit verschiedenen Partnern um.
Früher Saisonstart & Verluste im April
Im Nuoler Ried wurde das erste Gelege bereits am 11. März entdeckt und markiert, gefolgt von 23 weiteren Erstgelegen auf Förderflächen, Landwirtschaftsflächen und im Ried. Mitte April erreichte die Zahl der geschlüpften Jungvögel mit 26 Stück ihren Höchststand. Leider kam es kurz darauf zu erheblichen Verlusten, welche möglicherweise auf den plötzlichen Kälteeinbruch Ende April zurückzuführen sind.
Rettung in der Not
Dramatische Szenen spielten sich anfangs Mai ab, kurz bevor eine Fläche geackert werden sollte. Es wurden brütende Kiebitze festgestellt, wir hatten jedoch noch nicht alle Nester gefunden. Dank dem spontanen und tatkräftigen Einsatz einer Exkursionsgruppe sowie weiterer freiwilliger Helfer konnte die gesamte Fläche sys-tematisch abgesucht werden. Dadurch wurden vier weitere Gelege entdeckt, markiert und gesichert, bevor der Traktor auf die Fläche fuhr. Ein Dankeschön auch an den betroffenen Landwirt für seine Geduld!

Dank systematischem Absuchen betroffener Ackerflächen und dem Markieren von Nestern kann die Überlebenschance der Jungvögel im Landwirtschaftsgebiet markant erhöht werden.
Hohe Anzahl an Ersatzgelegen
Danach folgte eine deutliche Welle an Ersatzbruten mit insgesamt 15 Gelegen, welche mehrheitlich auf einem Acker mit offenem Boden angelegt wurden. Diese grosse Anzahl ist ungewöhnlich. Einige wenige Ersatzgelege sind die Norm, wenn eine Brut beispielsweise durch Prädation früh scheitert. Meist verzeichnen diese Gelege keinen Erfolg. Dieses Jahr konnten jedoch 13 flügge Jungvögel den Ersatzgelegen zugeordnet werden, ein durchaus erfreuliches Resultat.

Die gesprenkelten Gelege des Kiebitz sind für Laien nicht immer leicht aufzufinden.
Enttäuschung im Frauenwinkel, Erfolg im Nuoler Ried
Trotz aller Bemühungen war der Bruterfolg im Frauenwinkel mit 8 Brutpaaren und nur 2 flüggen Jungvögeln gering und lag mit einem Bruterfolg von 0.25 Flügglingen pro Brutpaar deutlich unter dem bestandserhaltenden Minimum von 0.8. Der tiefe Bruterfolg könnte damit zusammenhängen, dass die kleine Kolonie sich nur schwer gegen Fressfeinde aus der Luft verteidigen konnte. Zudem wurde mehrfach ein Fuchs im Brutgebiet gesichtet.
Umso erfreulicher sind die insgesamt 31 Jungvögel aus Erst- und Ersatzgelegen, welche im Nuoler Ried das flugfähige Alter erreichten. Dies entspricht einem Bruterfolg von 1.29 Flügglingen pro Brutpaar. Das Resultat ist eine fantastische Belohnung für den unermüdlichen Einsatz aller Beteiligten während der ausserordentlich langen Brutsaison 2024.
Über eine Spende für den Kiebitz würden wir uns sehr freuen, denn auch im 2025 setzen wir uns wieder für diesen einzigartigen Vogel ein. Vielen Dank!




