Dringlichkeit ohne Priorität
Die Resultate zweier Umfragen im Auftrag von Pusch und BirdLife Schweiz zeigen: Es fehlt der Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft an Problembewusstsein und Wissen zum Zustand der Biodiversität sowie an Handlungsbereitschaft. Die Biodiversität erhält nicht die nötige Priorität.
Die Zahlen zum Zustand der Biodiversität machen es deutlich: Knapp die Hälfte aller untersuchten Tier- und Pflanzenarten der Schweiz sind bedroht. Massnahmen zur Förderung der Biodiversität sind unabdingbar – auch im Siedlungsraum, damit sich die ökologische Vernetzung gewährleisten lässt. Doch wie die von Pusch und BirdLife Schweiz bei der breiten Bevölkerung und bei themen- affinen Personen durchgeführten Umfragen zeigen, ist das Bewusstsein über die Auswirkungen des zunehmenden Artenverlusts viel zu wenig vorhanden.
BEVÖLKERUNG IST ZU OPTIMISTISCH
Nur 3 Prozent der befragten Personen sehen die Biodiversitätskrise als Bedrohung für unseren Planeten. 54 Prozent der Bevölkerung sind sogar der Meinung, dass die Biodiversität in einem guten Zustand ist. Das kollektive Problembewusstsein fehlt und es gilt dieses zu steigern. Zudem braucht es mehr Natur im Siedlungsraum, damit der Mehrwert der Biodiversität für die Lebensqualität und das persönliche Wohlbefinden in der nächsten Wohnumgebung erlebbar wird.
GESTALTUNG DES AUSSENRAUMS
Gerade bei der Gestaltung und Pflege der Aussenräume im Siedlungsgebiet sehen Pusch und BirdLife Schweiz grossen Handlungsbedarf. Denn nur 45 Prozent der themenbezognen Personen gaben in der Online-Umfrage an, dass der ihnen zur Verfügung stehende Aussenraum grösstenteils naturnah gestaltet ist. Zudem ist anzunehmen, dass dieser Wert über die gesamte Bevölkerung gesehen deutlich tiefer ist.
ZUSÄTZLICHES WISSEN UND UNTERSTÜTZENDE SIND GEFRAGT
Erfreulich ist jedoch, dass knapp 60 Prozent der themenaffinen Personen mit Aussenraum bereit sind, weitere Flächen naturnah zu gestalten. Viele mögliche Hürden bewerten über die Hälfte von ihnen nicht als solche. Faktoren wie «Unsicherheit bei der Umsetzung der neuen Gestaltung» oder «helfende Hände fehlen» beurteilen rund 50 Prozent von ihnen als Hürde.
GEMEINSAM FÜR MEHR BIODIVERSITÄT
Die Stiftung Pusch und BirdLife Schweiz sind überzeugt, dass sich die Handlungsbereitschaft für mehr Natur im Siedlungsraum steigern lässt. Dazu müssen die öffentliche Hand, Wirtschaft und Gesellschaft ihre Kräfte bündeln und die Förderung der Biodiversität zu einer gesellschaftlichen Priorität machen. Es gilt durch Information und Bildung ein Bewusstsein für den Rückgang der Bio- diversität im Siedlungsgebiet zu schaffen, gezielt Kompetezen bei Fachleuten und Privaten zu fördern und naturnah gestaltete und gepflegte Grünflächen zu schaffen. Es sind Angebote nötig, welche Hilfe vermitteln und praxisnah aufzeigen, wie mit einfachen Mitteln Rasenflächen in Blumenwiesen umzuwandeln, Beete mit insektenfreundlichen Stauden zu bepflanzen, Hecken mit einheimischen Sträuchern zu setzen oder Kleinstrukturen anzulegen und zu pflegen sind.
STIFTUNG PUSCH
*Titelbild: GSI Architekten St. Gallen




